Nachhaltig heiraten – Teil 1

Für das Brautpaar ist es die einzige Hochzeit. Ein einmaliger Tag, an dem man den Bogen in jeder Hinsicht überspannen darf, um sich und seinen Hochzeitsgästen eine unvergessliche Feier zu bereiten. Daran zu denken, dass sich an diesem besonderen Datum auch noch andere Paare das Ja-Wort geben, wäre unromantisch.

Dabei wurden im August 2018 in Deutschland über 65.000 Ehen geschlossen. Jedes Wochenende haben sich also 16.000 Brautpaare und ihre Gäste zum Feiern eingefunden. Wenn man annimmt, dass durchschnittlich nur 20 Gäste zu einer Hochzeit kommen, feierten allein in diesem August 1.300.000 Menschen eine Hochzeit (zum Vergleich: Rock am Ring hatte im selben Jahr etwa 70.000 Karten verkauft).

Brautschuh mit ökologischem Fußabdruck

Wie es bei einem Festival in diesem Ausmaß ganz normal wäre, fallen auch bei diesen Hochzeiten insgesamt hohe Kosten an – ebenso für die Umwelt.

Um die Stimmung wieder zu heben: Gedanken zu Nachhaltigkeit fließen langsam, aber immer öfter in die Hochzeitsplanung mit ein. Um auf diesen Zug aufzuspringen und weil uns der Vater von Greta Thunberg 50 € dafür gegeben hat, möchten wir unsere Blogserie zum Thema "nachhaltig heiraten" beginnen.

Wir werden auf vielfältige Aspekte einer Hochzeit eingehen, die unsere Umwelt irgendwie in Mitleidenschaft ziehen und mit Menschen ins Gespräch kommen, die sich die Nachhaltigkeit zur Aufgabe gemacht haben.

Eine Branche, tausend Bereiche

Wie viele Dienstleister und Hersteller direkt und indirekt an einer Hochzeit beteiligt sind, ist immer noch faszinierend, aber nichts Neues. Dass an jedem Punkt, an dem Geld fließt, auch Ressourcen verbraucht werden, erfordert ein wenig mehr Vorstellungsvermögen.

Denn das Geld muss dazu nicht einmal unmittelbar aus der Tasche des Brautpaares kommen (es tankt zum Beispiel den Oldtimer zur Hochzeitsfahrt ja nicht selbst auf).

Daher setzt sich die Umweltbelastung einer Hochzeit aus direkten und indirekten Faktoren zusammen. Das Brautpaar kann also mit dem Kauf der Dekoration genau so eine nachhaltige Entscheidung treffen wie mit der Wahl der Location.

Bräute retten die Welt

Die Braut trägt eine besondere Verantwortung, denn mit ihren Wünschen steht und fällt die nachhaltige Hochzeit. Auch wenn ein Teil der Hochzeitsplanung auf Brautjungfern und Trauzeugen übergeht, können sich Braut und Bräutigam gegen eine verschwenderische Hochzeit aussprechen und alle Beteiligten bitten, ein Auge auf Ressourcen und CO2-Ausstoß zu halten.

Auch wenn es nur eine einzige Hochzeit ist, kann die Auswirkung doch weite Kreise ziehen. Nur wenige Leute machen sich bei einer Feier Gedanken über das große Ganze. Natürlich auch, weil man als einzelne Person nie ganz im Bilde sein kann.

Wenn man aber die Gelegenheit bekommt, auf einen Schlag viele Menschen mit einer nachhaltigen Idee zu konfrontieren, sollte man zumindest darüber nachdenken. Einen Abend lang werden die Gäste positiv von umweltfreundlichen Ansätzen sprechen – "öko" wird wieder ein Stück schicker und attraktiver.

Denn niemand möchte uns doch das Leben in Schönheit und Glamour wegnehmen – wir wollen es nur etwas länger genießen können.

Was macht eine nachhaltige Hochzeit aus?

Einen Bereich haben wir schon angesprochen: die Dekoration. Als einfache Regel braucht alles, was nicht gekauft werden muss, auch nicht produziert werden.

Viele Paare basteln ihre Deko bereits selbst und was man nach Pinterest-Anleitung aus Stöcken und Steinen basteln kann, würde den geschicktesten Neandertaler umhauen. Ökologisch vorbildlich. Luftballons hingegen sind aus Plastik und daher wie Tischdecken von der Rolle großer Mist für die Umwelt.

Klar, so weit kann jeder, dem etwas daran liegt, selbst denken. Wir widmen uns daher lieber komplexeren Themen und stellen uns Fragen, die nicht immer eindeutig zu beantworten sind.

Los geht es in unserem nächsten Blogbeitrag mit Brautschmuck. An dem klebt nämlich leider oft sprichwörtliches Blut. Diesmal geht es aber nicht um das unserer Enkel, sondern um minderjährige Arbeiter in Gold- und Diamantenminen. Oder um die 40 Mio. Menschen in der DR Kongo, die laut Greenpeace auf den Erhalt des Regenwaldes angewiesen sind.

Ein Abbau von Bodenschätzen ist immer mit einer Belastung für die Umwelt verbunden. Aber es geht eben auch nachhaltiger, als es weltweit die allgemeine Praxis ist: mit Gold und Edelsteinen aus fairem Handel, hergestellt in Deutschland.

In den folgenden Beiträgen wollen wir uns ansehen, wie nachhaltig Brautmode sein kann und was hinter den vielen Öko-Siegeln steckt. Außerdem zeigen wir, wie man eine Hochzeit mit geringem finanziellen Einsatz feiert und wie toll Einladungen aus Naturpapier aussehen können. Also schaut wieder rein!

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